Plastikstühle und die runden Tisehe, die modulartig zusammensetzbaren weissen Regale stehen no eh heute in
Küehen, Wohnzimmern und Giirten. Frauenzeitschriften und Einriehtungsjournals stellten die trendig leiehten
Mbbel-Linien von ABM vor. ,Dies, obwohl wir dort keine Inserate maehten" betont Cavelti. Die klare Linie duldete
keine kitsehigen Ausreisser. Cavelti erinnert sieh, wie der Verantwortliehe einer Filiale sehmiedeiserne Lampen
im Heimatstil anforderte, weil einige Kunden naeh diesen gefragt hatten. Cavelti winkte ab: ,Nicht bei ABM,
wer so etwas will, findet das anderswo.' Naeh dem Schrittmaeher in Spreitenbach boten naeh und naeh fünf
Filialen das gesamte Mbbelprogramm an. Die Gross-ABM-Filialen verfügten über 3300 bis 4000 Quadratmeter
und boten mit dem Zusatzsortiment aus Mbbeln, Teppiehen und Vorhiingen insgesamt 600 Artikel an.
Zu Tausenden pilgerten Shopper und Neugierige aus der ganzen Sehweiz und dem nahen Ausland in das
Einkaufs-Eldorado naeh Spreitenbach. Zwar gab es ei ne Anbindung an den bffentlichen Verkehr, doeh das
Center warb vor allem mit seinen 2500 Gratis-Parkpliitzen.
Aueh loekten unkonventionelle Offnungszeiten; im Sommer von 10 bis 21 Uhr, im Winter bis 20 Uhr;
samstags von 8 bis 17 Uhr. 1972 strbmten rund 6 Millionen Mensehen - statistiseh gesehen die Bevblkerung
des ganzen Landes - dureh die Mall; auf den riesigen Parkfeldern ziihlte man bis zu 18000 Autos tiiglieh. Die
Kundsehaft liess an Spitzentagen gegen zwei Millionen Franken in den Kassen klingeln, und ABM verdiente
kriiftig mit.
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Durchgehende Farben und Themen
Si[via Cave[ti ho[t aus einem Schrank in ihrem Ate[ier in der Casa Jacaranda mehrere Kartonschachte[n mit
Dessins und Mustern aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Es sind Erinnerungsstücke aus der Zeit, a[s das
Design-Studio von ABM unter ihrer Führung für das Einrichtungsprogramm eine Farbpa[ette kreierte, die das
Erscheinungsbi[d der Saison pragte. Dieses Gesamtkonzept bedeutete eine grosse Herausforderung für die
Einkaufer, mussten sie doch bei den Lieferanten Vasen, Servietten, Kissen und Leintücher innerha[b der Farbska[
a beste[[en. ABM beschaftigte in diesem Bereich zehn Einkaufer, die von [ta[ien über Skandinavien bis in den
Fernen Osten Waren einkauften. Alle mussten sich anhand der Farbkarten am se[ben Rot und an den g[eichen
Mustern orientieren. Samt[iche Farbt6ne [iessen sich untereinander und nalür[ich auch mit Weiss kombinieren.
Si[via Cave[ti: .Und immer wieder setzten wir die Farben Ge[b und B[au ein, das ist für mich der ABM.>
Auf Einkauferversamm[ungen wurden die Sti[richtung und die Modefarben abgestimmt. So wehte jede
Saison durch die ABM-Fi[ia[en ein anderes F[air. Das Mu[tico[or-System mit Farbkarten, Tupfen, Streifen und
anderen Dessins [iess sich harmonisch mixen und passte auch zu dem bei ABM allgegenwãrtigen Weiss. Si[via
Cave[tis Credo: ·Gutes Design ist zeit[os.'
.Dieses durchgehende Konzept war nur realisierbar, wei[ ich die Einkaufer stãndig bearbeitete>, [acht Cave[ti,
.sie kãmpften immer wieder gegen das komp[exe System an und wollten den Weg des geringeren Widerstands
gehen.>
1969 kam Sohn Stephan zur We[t, 1972 Ba[z. Si[via Cave[ti arbeitete jetzt ha[btags, entwarf Dessins für
Kinder- und Herrenpyjamas, spãter gesta[tete sie das Vorhangsortiment in der M6be[abtei[ung und andere
Produkte im Heimbereich. ·[ch konnte frei entscheiden>, erinnert sie sich, .und entwicke[te ein Gefüh[ für das,
was in der Luft [ag, und das, was sich kommerziell umsetzen [iess.> Kreative [mpu[se kamen zum Beispie[ von
aktuellen Fi[men wie .Die M6we Jonathan>. Auf den Kissen für Gartenm6be[ und auf Papiertellern schwebten
M6wen, und in den ABM-Laden erk[ang die Musik von Nei[ Diamond .
.vo[are> [autete ein Motto für den Kinderbereich. Muntere Doppe[decker-F[ugzeuge schmückten Partygeschirr,
Schirmmützen und Leibchen. Einma[ war coo[es Uni Trumpf, dann wieder zierten - basierend auf einer
[dee von Silvia Cave[ti - Orangen das gesamte Sortiment. Nach Ab[auf der zweijãhrigen Exk[usivitãt wurde das
Dessin gemass Schãtzungen der Branchenorganisation Texunion so oft vermarktet, dass die mit den Orangen
bedruckten Stoffbahnen ausgereicht hãtten, die Erde zu umspannen. Auch ein Tu[pensujet, das ABM ein Frühjahr
[ang pragte, sch[ug ein und wirkt heute noch aktuell. Manche Dessins gesta[tete das eigene Studio, andere
kaufte man in Paris ein.
Si[via Cave[ti entwarf auch die Dessins für Herren- und Knaben-Pyjamas; die mit Pferden, Pied-de-coqMustern
oder Tennisrackets dekorierten Nachtgewãnder gingen weg wie frische Br6tchen. [n wenigen Jahren errang
ABM im Berei9h Pyjamas zum Verdruss der Markenhersteller 30 Prozent Marktanteil. .Das Risiko hie[ten wir
k[ein" ha[t Georges Cave[ti fest, .denn unsere Pyjamas waren mindestens 10 Franken billiger a[s die Markenartikel.>
Die Kreativitãt und Energie der Konzerntochter forderte das Mutterhaus heraus; G[obus setzte alles daran,
um das unangefochtene Trendwarenhaus der Schweiz zu b[eiben. Hinter dem Konzept des ABM steckte vie[
Gesta[tungswille, der das eigenstãndige Profil der K[einpreiskette prãgte. Cave[ti wehrte sich stets mit Vehemenz
gegen die Bezeichnung 'BiIIigwarenhaus>; zu Recht, denn billig war ABM bis zum Auftakt der Neunzigerjahre
nicht - sondern preiswert und immer wieder originell. Oetailhandels-Experte Charles Joye: ,Oer ABM war bis in
die Achtzigerjahre die beste Kleinpreiskette der Schweiz. ABM hatte ein Image !ür Stil und Oesign.>
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